Die mikrobiellen Populationen des oberen Sediments (0,5 cm) der Spittelwasser wurden untersucht. Dieser Fluß wurde durch die Abwässer der Chemiewerke in Bitterfeld-Wolfen (Sachsen-Anhalt) extrem belastet. Sediment-Extrakt-Agar [SA] ermöglichte eine belastungsspezifische Anreicherung der Gesamtpopulation. Das Selbstreinigungspotential kennzeichneten Minimalmedien mit den folgenden Xenobiotika: 4-Chlor-, 5-Chlorsalizylsäure [4CS, 5CS], 3-Chlorbenzoesäure [3CB], 2,4-Dichlorphenoxyessigsäure [24D], Biphenyl [Bip], Anthrazen [Ant], Naphthalin [Nap], ß-Hydroxynaphthalin [ßHN], Toluol [Tol], Ethylbenzol [Etb], o-, m-, p-Xylol [oXy, mXy, pXy]. Zusätzlich wurden das Wachstum der SA-Isolate auf den 13 Xenobiotika-Medien bestimmt. Insgesamt 504 Isolate wurden in einem polyphasischen Ansatz charakterisiert. Analysiert wurde die Verwertung verschiedener Kohlenstoffquellen (BIOLOG), die Gesamt-fettsäuren (FAME) und die PCR-amplifizierte 16S rDNA (TGGE, Sequenzierung). Die in dieser Form neue Anwendung der TGGE (Temperaturgradienten-Gelelektrophorese) ermöglichte eine Sortierung der Isolate auf phylogenetischer Basis. Die Anreicherung auf dem naturnahen Sedimentextrakt-Medium ergab eine heterogene, artenreiche Gemeinschaft. Es wurden diverse bekannte und unbekannte Arten detektiert. Die Agrobacterium-Gruppe und Acidovorax dominierten die Proteobakterien. Das Xenobiotika-Screening zeigte hohe Variabilität der SA-Stämme, konnte aber kein taxonspezifisches Wachstum nachweisen. Mit den Xenobiotika wurden relativ artenarme Gesellschaften selektioniert. Zum Beispiel wurden Flavobacterium johnsonae (oXy), Serratia (Nap, Ant), Stenotrophomonas (3CB, Nap, oXy), Ochrobactrum (Ant, 4CS, oXy) und auch Gram-positive Bakterien (4CS, 24D, Nap, oXy) Xenobiotika-spezifisch isoliert. Die häufig genannten Degradierer waren nur schwach vertreten.